Vom Stimme erheben

Heute erscheint ein Buch beim SCM Verlag, das ich vorab lesen durfte. Ich hatte ja keine Ahnung was das Buch mit mir machen würde. Das Buch heißt „Tochter Gottes erhebe dich!“ und ist von Inka Hammond. Mehr zum Inhalt des Buches habe ich für die Seite Mamaabba geschrieben.

Aber eine Sache, die mir seit dem keine Ruhe lässt, ein Thema von dem ich dachte, dass ich mich damit abgefunden hätte, das jetzt aber vollkommen aufgerüttelt wurde, will ich hier doch mal mit euch teilen.

Man kann wahrscheinlich fragen wen man will. Jeder, der mich auch nur ein bisschen kennt, wird als „besonderes Merkmal“ von mir sagen, dass ich viel rede. (Wahrscheinlich fällt das sogar denen auf, die mich noch nie sprechen gehört haben, aber hier meine Texte lesen. Sorry. Ich kann mich nicht kurz fassen.) Es ist einfach eine Tatsache. Ich spreche viel und meistens laut. Das war schon immer so. Schon als Kind wurde mir immer wieder gesagt, dass ich doch mal still sein soll, zum Punkt kommen soll, wenigstens 5 min Schweigen. Zu recht. Die anderen 5 Personen der Familie hatten auch ein Wortkontingent, das sie täglich los werden wollten. Ich nehme es Niemandem übel. Ich hab es auch wirklich und aufrichtig versucht. Immer wieder habe ich mir vorgenommen weniger zu sprechen. Nicht alles auszusprechen, was ich denke und vor allem nicht, bevor ich es denke. Es hat nie funktioniert. Ich kann mich auch an trotzige Gedanken erinnern. Wie oft habe ich gedacht: „Denen werde ich es zeigen. Ich rede nie wieder ein Wort.“ Ich hab es nicht mal eine Stunde ausgehalten. Ein frustrierendes Thema, das mich immer begleitet hat. Ich wollte gerne ein stilles, zurückhaltendes, vorbildliches, demütiges und schönes Mädchen sein. Empfand mich aber als absolutes Gegenteil.

Auch in der Pubertät habe ich gegen meine Stimme gekämpft. Irgendwann fiel mir nämlich auf, dass ich bei Unsicherheit und Nervosität extra viel spreche. Blöd als pickliger Teenie mit Minderwertigkeitskomplexen. Auf jeden Fall war immer klar, dass das definitiv meine größte Schwäche ist. Zu gesprächig und zu dominant. Irgendwann nach der Pubertät konnte ich es akzeptieren. Jeder hat Schwächen. Wer es nicht ertragen kann, soll Abstand von mir halten. Das wollte ich zumindest denken und glauben.

Doch eigentlich war mir klar, dass ich das Thema nicht so einfach ab tun kann. Schwächen sind eine Sachen, aber Sünden eine andere. Was sagt denn Gott dazu? Also habe ich in der Bibel gesucht und musste schockiert feststellen, dass die Zunge echt schlecht abschneidet in der Bibel. Worte haben Macht! Worte können zerstören! Und undurchdachte, vorschnelle und übermäßig viele erst recht. Aber Worte können auch heilen und loben! Ich wollte also Gott ehren mit meinen Worten, ihn groß machen. Also brachte ich mich in den Jugendstunden der Gemeinde ein, betete laut, erzählte von dem was ich mit Gott erlebte, von den Wundern, die er in meinem Leben tat und davon wie großartig er Gebete erhört. Bis eines Tages der Jugendleiter mich zur Seite nahm und mir sagte, dass ich wohl Jemandem durch mein Beten und Berichten ein Anstoß war. Er sagte nicht, wer das gesagt hatte. Ich war zutiefst getroffen. Ich wollte doch kein Anstoß sein, sondern ein Zeugnis. Ich wollte Gott groß machen und nicht Andere stören. Also ließ ich es bleiben. Versuchte mich mehr zurück zu nehmen. Nie wieder habe ich vor mehr als 10 Menschen laut gebetet. Das ist auch schon alles viele Jahre her. Ich hatte es schon vergessen. Mich daran gewöhnt, dass ich ab und zu liebevoll unterm Tisch getreten werde, wenn ich ein Gespräch dominiere. Und leise für mich im Gottesdienst gebetet. Das ist ja auch nichts Verwerfliches. Den heimlichen Traumberuf der Tagesschausprecherin oder noch cooler Synchronsprecherin, habe ich tief in mir vergraben und nie Jemandem erzählt. Wie lächerlich wäre das denn.

Dann las ich das Buch. Inka schreibt da auch ein paar Abschnitte über die Stimme. Wie wichtig die Stimme ist. Dass wir unsere Stimme erheben sollen, anderen von Gott und seinen Taten erzählen, singen und ihn loben. Sie ist ein Geschenk, das wir benutzen sollen. Außerdem schreibt sie wie der Feind uns den Mund verbietet, uns klein halten will. Da kam mir unter Tränen zum ersten Mal der Gedanke, dass vielleicht gar nicht das Sprechen meine Sünde war, sondern das Schweigen? Vielleicht war meine Stimme nicht als Schwäche gedacht, sondern als Stärke. Hatte der Teufel es so einfach geschafft mich zum Schweigen zu bringen? Reichlich Menschenfurcht in mir erzeugt und dann mit der Zunge des Jugendleiters und der anderen Person, das Messer geführt? Ein Satz hat gereicht, um mich über Jahre still zu legen. Wenn ich doch wenigstens still gewesen wäre. Aber nein, ich hab natürlich weiterhin unzählige überflüssige Worte gesprochen. Aber kaum eins zu Gottes Ehre.

Wie Gott so ist, gebraucht er verschiedene Wege, um einem Dinge zu zeigen. Ich las also in dem Buch die heilsamen Worte und dann kam eines Tages meine nichts-ahnende Friseurin. Sie arbeitete und ich redete. Wie immer. Plötzlich sagte sie: „Eveline. Ich muss es einfach mal sagen! Ich höre dir so gerne zu, wenn du redest. Ich mag den Singsang deiner Stimme und deinen Wortschatz. Ich könnte dir stundenlang zu hören!“ Was? Ich wäre fast vom Stuhl gefallen! Noch nie zu vor hatte jemand etwas derart Positives über meine Stimme gesagt. Ein paar Wochen später hatten wir eine Abendveranstaltung in der Gemeinde für Frauen. Ich hatte zugestimmt zum Thema „geLIEBT!“ eine kleine Geschichte aus meinem Leben zu erzählen. Das sollte quasi ein Eisbrecher sein, damit auch andere sich überwinden könnten von ihrem Leben zu erzählen. Es ist mir wahnsinnig schwer gefallen. (Was wenn die Person, die vor 20 Jahren Anstoß an mir genommen hatte, in diesem Raum säße? Oder es allen Anderen im Raum genauso ein Anstoß wäre?) Als ich fertig war, kam meine liebe Friseurin wieder auf mich zu und bekräftigte ihre Worte noch einmal. Ich glaube, ihr ist gar nicht bewusst, wie sehr Gott ihre Worte und ihre Stimme für meinen Heilungsprozess gebraucht hat.

Das alles ist mit ein Grund, weshalb ich heute den Mut habe die Worte, die mir auf dem Herzen liegen hier niederzuschreiben. Nicht weil ich besser bin als Andere, nicht weil ich mein Leben im Griff habe, nicht weil ich etwas zu sagen hätte, was andere nicht wüssten. Nein. Eigentlich haben zu jedem Thema, das mich beschäftigt, schon viele, klügere Menschen Bücher geschrieben. Darum geht es aber auch nicht. Es geht nur darum, dass Gott es ist, der Veränderung schenken kann, dass Gott es ist, der einen Plan hat. Für jeden von uns. Gehorsam will ich einen Schritt vor den anderen setzen und schauen, wo er mit mir hin will. Ihn will ich bezeugen! Meine Stimme soll ein Sprachrohr für ihn sein! Egal ob ich über Erziehung, Essenspläne, Filme oder die Bibel rede. Ihm allein gebührt die Ehre!

2 Kommentare zu „Vom Stimme erheben

  1. Ich bin auf diesen Blog gestoßen und stellte fest wir kennen uns. Also eher mehr namentlich wie irgendwie mehr. Und ich bin überwältigt dass wir beide Jesus lieben! Und dieser Eintrag hat mich sehr berührt. Ich wurde 2mal für meine Stimme kritisiert. In der Ausbildung zur Erzieherin und in der Gemeinde beim Lobpreis, da fühlte sich jemand gestört von meinem Singen. Das hat Wunden geschlagen und Narben hinterlassen. Danke Jesus für deine Worte, die Balsam auf meinen Narben sein dürfen.
    Ganz liebe Grüße
    Petra

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